Glocken der Kirche Kirch Mummendorf

Die Glockengeschichte der Kirche Mummendorf – Ein klingendes Erbe aus sieben Jahrhunderten

Die Kirche in Mummendorf blickt auf eine lange, bewegte Geschichte zurück. Ein besonderer Schatz ragt dabei aus den Jahrhunderten hervor: die Glocken im Kirchturm. Sie erzählen Geschichten von Glauben, Krieg, Kunst, Handwerk und tiefer Verbundenheit der Gemeinde. Die Glockengeschichte der Kirche Mummendorf steht dabei besonders im Mittelpunkt. In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die historischen Glocken, ihre wechselvolle Reise und ihre besondere Bedeutung für Mummendorf.

Ein erster Blick ins 17. Jahrhundert: Die Visitation von 1653

Bereits 1653 wird dokumentiert, dass im Turm der Kirche zwei große und zwei kleine Glocken hingen. Die Glockengeschichte der Kirche Mummendorf beginnt mit diesen frühen Zeugnissen. Einige dieser Glocken galten schon damals als historisch – entstanden in den Jahren 1425, 1526, 1597 und um 1600. Jede dieser Glocken hat ihre ganz eigene Geschichte und prägte das kirchliche Leben im Ort über Generationen.

Die älteste Glocke: Ein Klang aus dem Jahr 1425

Die kleinste Glocke, gegossen wahrscheinlich 1425, trug eine lateinische Inschrift. Trotz starker Abnutzung konnten zwei Saumtexte entziffert werden:

  • „Anno domini MCCCXXV o rex glorie cristi veni cum pace“
    (Im Jahre des Herrn 1425 – Oh Christus, König des Ruhms, komm in Frieden.)
  • „Criste fili dei miserere mei…“
    (Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner!)

Diese Glocke diente über Jahrhunderte als Betglocke. Im Jahr 1851 wurde sie an die Kirchgemeinde Börzow verkauft. Trotz ihrer historischen Bedeutung wurde sie 1915 sogar zum Einschmelzen angeboten – ein trauriges Schicksal, das viele Glocken während der Kriege ereilte.

Die große Bronzeglocke von 1526 – Überleben mit Narben

Die größte Glocke der Kirche, mit einem Durchmesser von 1,30 Metern, stammt aus dem Jahr 1526. Mehrfach wurde sie aufgrund von Materialschäden neu gegossen – 1678 und 1730. Pastor Wolff dokumentierte, dass die ursprüngliche Glocke mit den Bildern der Jungfrau Maria und des heiligen Georg geschmückt war.

Nach dem Umguss 1730 trägt die Glocke eine ausführliche Widmung, die den Dank an Gott, die Menschen und die Beteiligten festhält. Der Guss erfolgte durch Laurenz Strahlborn in Lübeck. Übrigens ist auch diese Bronzeglocke ein Teil der Glockengeschichte der Kirche Mummendorf. Auf ihr steht:

„Dem dreieinigen Gott

Allein zu Lob und Ehren

Soll nun hinwieder

Mein heller schöner Schall und Klang

Erfreuen Menschen Kinder

Zur Gott von nächster Schuldigen Pflicht im Leben und im Sterben

Nach dem

Durch den Segen Gottes

Als Hertzog Carl Leopold der Kirchen gnädigster Patron

Ich wiederkommen

Zur vorherigen Resonance und Stelle

Auf Veranstaltung

Andreas Wilhelm Rudinger der Zeit Pastoris

Vermittelst glücklichen Umgusses

Lawrenz Strahlborns

Welcher geschehen zu Luber (Lübeck) im Jahre 1730.“


Anm.: Andreas Wilhelm Rudinger war der Pastor, welcher den Umguss beauftragt hat.

Fast verloren im Krieg – und doch gerettet

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Glocke 1941 in das Hamburger „Glockenlager“ transportiert, wo tausende Kirchenglocken auf ihre Einschmelzung warteten.


Nur einem Gutachten, das ihren künstlerischen Wert bestätigte, verdankte sie das Überleben.

Weihnachten 1949 kehrte ihr Klang erstmals wieder nach Mummendorf zurück – ein emotionaler Moment für die Gemeinde.

Die Bincke-Glocke von 1597 – Ein Meisterwerk aus Wismar

Eine weitere große Bronzeglocke stammt aus dem Jahr 1597, gegossen vom renommierten Wismarer Glockengießer Claus Bincke. Mit 1,20 Metern Durchmesser vervollständigte sie über lange Zeit das Glockengeläut.

Wenn sie 2027 weiter unversehrt läutet, wird sie ein beeindruckendes Jubiläum feiern: 430 Jahre kirchlicher Dienst ohne Materialschäden. Die Glockengeschichte der Kirche Mummendorf umfasst auch dieses besondere Meisterwerk.

Wo hing die vierte Glocke? – Ein kleines Rätsel des Glockenstuhls

1706 wurde ein neuer Glockenstuhl für drei Glocken errichtet. Doch wohin verschwand die vierte?

Laut historischen Quellen hing die kleinste Glocke seit etwa 1600 in einem Schallloch zur Kirche hin. Diese Öffnung ist heute noch im Turm sichtbar – inklusive der Vorrichtung zur Aufhängung. Dort war die Betglocke:

  • gut geschützt vor Wind und Wetter,
  • akustisch optimal zur Gemeinde ausgerichtet,
  • und mit Unterstützung des Westwinds perfekt platziert, um das Dorf zu erreichen.

Das heutige Geläut – Ein Klang, der bleibt

Bis heute sind zwei der historischen Glocken erhalten und im Turm der Kirche Mummendorf zu Hause. Sie stehen als Zeugnisse der Vergangenheit und als lebendige Zeichen des Glaubens. Tatsächlich bleibt die Glockengeschichte der Kirche Mummendorf ein wichtiger Teil der Identität des Ortes.

Ihr Klang begleitet die Menschen bei:

  • Gottesdiensten
  • Taufen
  • Hochzeiten
  • Beerdigungen
  • kirchlichen Festtagen
  • und im Alltag des Dorfes

Fazit: Die Glocken von Mummendorf – Kultur, Geschichte und Glaube in Bronze

Die Glocken der Kirche Mummendorf sind weit mehr als liturgische Instrumente. Sie sind:

  • Kulturelles Erbe aus über 600 Jahren
  • Zeitzeugen zahlreicher geschichtlicher Wendepunkte
  • Kunstwerke bedeutender Glockengießer
  • Symbol des Zusammenhalts der Gemeinde

Ihre Geschichten machen die Kirche Mummendorf zu einem besonderen Ort im Klützer Winkel – und ihr Klang wird auch zukünftige Generationen begleiten. Darüber hinaus ist die Glockengeschichte der Kirche Mummendorf für Besucher stets von großer kultureller und spiritueller Bedeutung.

Mehr zur Geschichte unser 1000 Jahre alten Kirche findest Du auf der Seite Geschichte unserer Webseite.

1 Gedanke zu „Die Glockengeschichte der Kirche Mummendorf – Ein klingendes Erbe aus sieben Jahrhunderten

  1. Christian Böhler

    Die Glocken können im Rahmen einer Turmführung besichtigt werden. Anmeldung von Gruppen kann erfolgen über kifoekkm@gmail.com. Während der Veranstaltungen KunstOffen und dem Mittelalterfest finden reguläre Führungen statt.

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