Wann wurde die Backsteinkirche in Mummendorf gebaut? Historische Analyse und Zeitleiste

Einleitung

Die Kirche in Mummendorf ist ein beeindruckendes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst. Ihre erste urkundliche Erwähnung findet sich im Ratzeburger Zehntregister von 1230. Doch wann begann der Bau dieser Backsteinkirche? Die mögliche Antwort liegt in einer spannenden Kombination aus architektonischen Details und historischen Ereignissen. Allerdings gibt es wenig Zeugen dieser Zeit. Aber man kann aus den verschiedenen geschichtlichen Daten Vermutungen ableiten.

Historischer Kontext

Im 12. Jahrhundert war Norddeutschland geprägt von tiefgreifenden Veränderungen:

Architektonische Hinweise auf die Bauzeit einer mittelalterlichen Kirche

Die Kirche in Mummendorf besaß bereits im ersten Bauabschnitt:

  • Einen Chor mit Kreuzrippengewölbe und Lisenen
  • Zwei Drittel des heutigen Kirchenschiffs mit vermutlich vier Kreuzrippengewölben

Diese Merkmale deuten auf eine fortgeschrittene romanische Baukunst hin, die sich ab etwa 1170 verbreitete.

Für eine Kirche mit Kreuzrippengewölbe (technisch anspruchsvoll) und Backstein (neue Technik) ist ein Baubeginn nicht vor 1150 realistisch. Nach der Konsolidierung der Herrschaft und Christianisierung (ca. 1160–1170) begann die Phase des Landesausbaus und Kirchenbaus. Die Bauzeit für so ein Gebäude: mindestens 10–20 Jahre, je nach Ressourcen.

Wann begann der Bau der Backsteinkirche Mummendorf?

Da die Kirche 1230 im Zehntregister erwähnt wird, muss sie zu diesem Zeitpunkt fertiggestellt gewesen sein. Deswegen ist – unter Berücksichtigung der Bauzeit (10–20 Jahre) und der Einführung des Backsteins – ein Baubeginn zwischen 1170 und 1190 wahrscheinlich – eher um 1180, nach der Konsolidierung der Herrschaft und der Christianisierung.

Zeitleiste der Ereignisse während der Christianisierung

  • Um 1026 vermutlich Bau einer Holzkirche
  • 1066–1120: Slawenaufstände
  • 1154: Gründung des Bistums Ratzeburg
  • 1160: Beginn der intensiven Christianisierung
  • 1150–1170: Einführung des Backsteins
  • 1180–1190: Vermuteter Baubeginn der Kirche in Mummendorf
  • 1230: Erwähnung im Ratzeburger Zehntregister
Zeitleiste Baugeschichte Kirche Kirch Mummendorf

Fazit

Die Backsteinkirche in Mummendorf ist nicht nur ein Bauwerk, sondern ein Spiegel der politischen und religiösen Umbrüche des 12. Jahrhunderts. Daher verbindet ihre Geschichte Architektur, Christianisierung und die Einführung des Backsteinbaus in Norddeutschland.

Warum wurde Holz im Winter 1025/26 geschlagen? Ein Blick in die Geschichte von Kirch Mummendorf

Ein Fund erzählt Geschichte

In der Kirche von Kirch Mummendorf wurde ein bemerkenswerter Holzfund gemacht. Ein dendrochronologisches Gutachten – eine Methode, die anhand von Jahresringen das Alter von Holz bestimmt – datiert das Stück auf das Jahr 1026 (Wissenschaftliche Hintergründe zur Jahrringanalyse). Das bedeutet: Der Baum wurde im Winter 1025/26 gefällt und kurz darauf verarbeitet. Also heute (7. Dezember 2025) vor genau 1000 Jahren. Doch warum wählte man damals gerade die kalte Jahreszeit für das Fällen von Bäumen?

Das Stück Holz aus dem Jahr 1026. Mittlerweile als Sparrenknecht im Einsatz.

Warum Holz im Winter schlagen?

Die Entscheidung, Holz im Winter zu schlagen, war kein Zufall, sondern basierte auf Erfahrung und Wissen über die Eigenschaften des Materials:

1. Geringerer Wassergehalt

Im Winter ruht der Saftstrom im Baum. Das Holz enthält deutlich weniger Wasser als im Frühjahr oder Sommer. Weniger Feuchtigkeit bedeutet:

  • Stabilität beim Trocknen: Das Holz verzieht sich weniger und neigt kaum zu Rissen.
  • Längere Haltbarkeit: Pilze und Insekten haben weniger Chancen, sich einzunisten.

2. Bessere Resistenz gegen Schädlinge

Trockenes Holz ist weniger anfällig für Schimmel und Fäulnis. Für den Bau von Kirchen und Fachwerkhäusern war das entscheidend, denn diese Gebäude sollten Jahrhunderte überdauern.

3. Leichtere Verarbeitung

Frisch geschlagenes Holz ist „grün“ und lässt sich einfacher sägen, spalten und behauen. Wartete man zu lange, wurde es hart und spröde – eine Herausforderung für die damaligen Werkzeuge.

Direkte Verarbeitung – warum so eilig?

Vor 1000 Jahren gab es keine modernen Trocknungstechniken. Langes Lagern hätte zu Schimmel und Schädlingsbefall geführt. Deshalb wurde das Holz direkt nach dem Fällen grob vorgearbeitet: Balken, Bretter und Pfosten wurden in Form gebracht und anschließend langsam an der Luft getrocknet. So minimierte man Verformungen und Risse.

Mondholz und alte Traditionen

Interessant ist, dass manche Kulturen sogar „Mondholz“ bevorzugten – Holz, das bei abnehmendem Mond im Winter geschlagen wurde. Man glaubte, es sei besonders widerstandsfähig. Moderne Studien zeigen: Der Effekt kommt eher vom niedrigen Saftgehalt als vom Mond, aber die Tradition unterstreicht, wie wichtig die Wahl des richtigen Zeitpunkts war. (Was ist Mondholz und warum ist es besonders?)

Die wichtigsten Werkzeuge des Mittelalters

Als der Baum für die Kirche in Kirch Mummendorf im Winter 1025/26 gefällt wurde, standen den Handwerkern nur einfache, aber effektive Werkzeuge zur Verfügung. Diese Werkzeuge bestanden aus geschmiedetem Eisen und Holzgriffen und waren speziell für das Bearbeiten von frischem Holz entwickelt (Traditionelle Zimmermannskunst im Mittelalter).

1. Zum Fällen des Baumes

  • Fällaxt
    Die Axt war das zentrale Werkzeug. Mit ihrer geschmiedeten Eisenklinge und einem stabilen Holzstiel wurde der Baum gefällt. Oft war die Schneide asymmetrisch geschliffen, um den Schnitt zu erleichtern.
  • Beil
    Für das Entasten und kleinere Arbeiten nutzte man das Beil – eine handlichere Variante der Axt.

2. Zum Zuschneiden und Formen

  • Breitaxt (Zimmermannsaxt)
    Mit der Breitaxt wurden Stämme zu Balken behauen. Ihre breite Schneide und einseitige Schärfung ermöglichten glatte Flächen.
  • Dechsel (Adze)
    Ein Werkzeug mit querstehender Schneide, ideal zum Glätten und Aushöhlen von Holzoberflächen.
  • Spaltkeile und Holzhammer
    Zum Spalten von Stämmen in Bohlen oder Bretter – eine Technik, die Sägen oft ersetzte.

3. Für Feinarbeiten

  • Ziehmesser
    Zum Abziehen und Glätten von Holzoberflächen.
  • Handbohrer (Windeisen)
    Für Löcher bei Zapfenverbindungen.
  • Hobel und Schabhobel
    Für die finale Oberflächenbearbeitung.

Warum diese Werkzeuge so wichtig waren

Im Jahr 1026 gab es keine modernen Maschinen. Alles wurde von Hand bearbeitet. Sägen waren zwar bekannt, aber für große Stämme noch unüblich. Stattdessen spaltete und behaute man das Holz. Die Werkzeuge bestanden aus geschmiedetem Eisen mit Holzgriffen. Schmiede fertigten sie lokal, oft angepasst an die Bedürfnisse der Zimmerleute. Diese Werkzeuge sind die Vorläufer vieler moderner Zimmermannswerkzeuge – ihre Grundform hat sich bis heute kaum verändert.

Was verrät der Fund über Kirch Mummendorf?

Der Holzfund aus der Kirche ist ein faszinierendes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst. Er zeigt:

  • Präzises Wissen über Naturmaterialien: Unsere Vorfahren kannten die besten Bedingungen für langlebiges Holz.
  • Regionale Baugeschichte: Das Jahr 1026 fällt in eine Zeit, in der viele Kirchen in Norddeutschland entstanden – oft aus Holz, bevor Steinbauten üblich wurden.
  • Handwerkliche Meisterleistung: Ohne moderne Technik schufen Zimmerleute Konstruktionen, die über Jahrhunderte Bestand hatten.
Schnitt durch die Kirche Kirch Mummendorf mit der Lage des Holzes aus dem Jahr 1026
(Baugeschichte der Dorfkirche Kirch Mummendorf)

Dendrochronologie – ein Blick in die Vergangenheit

Die Datierung des Holzes erfolgte durch Dendrochronologie, eine Methode, die Jahresringe analysiert. Jeder Ring erzählt eine Geschichte: über Klima, Wachstumsbedingungen und das Alter des Baumes. So können Historiker und Archäologen Bauphasen rekonstruieren und die Entwicklung von Siedlungen nachvollziehen.

Fazit

Der Holzfund aus Kirch Mummendorf ist mehr als ein Stück Holz – er ist ein Fenster in die Vergangenheit. Er zeigt, wie klug unsere Vorfahren mit natürlichen Ressourcen umgingen und wie wichtig das Wissen um den richtigen Zeitpunkt war. Das Fällen im Winter und die sofortige Verarbeitung waren keine Zufälle, sondern Teil einer ausgefeilten Strategie für langlebige Bauwerke.

Die historische Turmuhr der Kirche in Kirch Mummendorf – Ein Meisterwerk der Uhrmacherkunst

Die Dorfkirche Kirch Mummendorf im malerischen Stepenitztal ist nicht nur ein architektonisches Zeugnis aus der Übergangszeit von Romanik zur Gotik, sondern beherbergt auch eine faszinierende technische Besonderheit: die Mechanische Turmuhr mit Viertelstundenschlag auf die Glocke von 1597. Dieses Uhrwerk ist ein Symbol für Präzision, Tradition und die Geschichte des Dorfes.

Historische Turmuhr Kirch Mummendorf - Großuhrenbauer Beyes Hildesheim
Historische Turmuhr Kirche Kirch Mummendorf

Historischer Hintergrund

Die Kirche wurde erstmals 1230 im Ratzeburger Zehntregister erwähnt, ihre Wurzeln reichen bis ins Jahr 1026 zurück. Der heutige Backsteinbau stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die Turmuhr, bekannt als Historische Turmuhr der Kirche Kirch Mummendorf – Uhrwerk von Beyes aus Hildesheim, kam deutlich später hinzu: 1897 wurde sie vom renommierten Großuhrenbauer Beyes aus Hildesheim gefertigt, einem Spezialisten für Turmuhren und Großuhrenmechanik.

Technische Besonderheiten der Turmuhr

Die Uhr steht im Erdgeschoss des Turms und ist ein klassisches Beispiel für die mechanische Turmuhrenbaukunst des späten 19. Jahrhunderts. Hier einige ihrer charakteristischen Merkmale:

  • Schlagwerk: Zu jeder Viertelstunde ertönt ein Schlag, ausgeführt durch einen Hammer, der auf den Glockensaum der älteren Glocke von 1597 schlägt. Dieses Prinzip wird als Schlossscheiben-Schlagwerk bezeichnet.
  • Ziffernblätter: Die beiden Außenziffernblätter werden über ein Gestänge (auch Zeigerwerk genannt) bedient. Die Minutenwelle überträgt die Bewegung direkt auf die Minutenzeiger.
  • Stundenanzeige: Die Stundenzeiger werden über eine Übersetzung (ein Reduktionsgetriebe) bewegt, um die korrekte langsame Drehung sicherzustellen.
  • Antrieb: Ursprünglich handaufgezogen, arbeitet die Uhr mit einem Gewichtsaufzug, der über Seiltrommeln die Energie für Gehwerk und Schlagwerk liefert.
  • Regulierung: Die Zeitmessung erfolgt über ein Pendel, das die Ganggenauigkeit bestimmt.

Diese Konstruktion ist ein Paradebeispiel für die Verbindung von Gehwerk, Zeigerwerk und Schlagwerk, wie sie in der Turmuhrenfachsprache bezeichnet wird.

Symbol für den Erhalt der Kirche

Die Restaurierung der Turmuhr, die in Fachkreisen als Historische Turmuhr der Kirche Kirch Mummendorf – Uhrwerk von Beyes aus Hildesheim bekannt ist, war ein Wendepunkt für die Kirche: Sie wurde zum Auslöser für die Rettung des Gotteshauses, nachdem die Schließung drohte. Heute ist die Uhr nicht nur ein Zeitmesser, sondern ein technisches Denkmal, das Besucher begeistert.

Warum ein Besuch lohnt

  • Historische Technik hautnah: Ein Blick auf das Uhrwerk im Turm ist ein Erlebnis für Technik- und Geschichtsfreunde.
  • Akustisches Highlight: Der Viertelstundenschlag auf die historische Glocke ist ein Klang, der seit Jahrhunderten das Dorf begleitet.
  • Fotomotiv: Die beiden Ziffernblätter am Turm sind ein markantes Wahrzeichen.

Erhalt der Uhr durch den Kirchenförderkreis

Der Kirchenförderkreis Kirch Mummendorf ist durch die Turmuhr entstanden. Er kümmert sich daher besonders liebevoll um diese Uhr. Es gibt einen Uhrenwart und einen Stellvertreter. Ihre Aufgaben sind, das Reinigen der Zahnräder, das Ölen mit einem Spezialöl, das Stellen der Uhr, wenn sie sich mal verschluckt hat, und natürlich das schweißtreibende Aufziehen mit einer Handkurbel. Darüber werden alle sieben Tagen, die Gewichte in den Turm hochgezogen.

Besuchen Sie Kirch Mummendorf

Die Kirche mit ihrer Turmuhr ist ein Ort der Ruhe und Geschichte. Historische Turmuhr der Kirche Kirch Mummendorf – Uhrwerk von Beyes aus Hildesheim ist während der Führungen, besonders am Tag des offenen Denkmals, zu sehen. Solche Besuche geben spannende Einblicke in die Mechanik und die Geschichte des Bauwerks.

Die historische Orgel der Kirche Kirch Mummendorf

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Kirch Mummendorf beherbergt ein wahres Juwel norddeutscher Orgelbaukunst: die Friese Orgel in Kirch Mummendorf – die historische Orgel der Kirche, eine Orgel aus dem Jahr 1846, erbaut von Friedrich Friese II aus Schwerin. Eine von vielen Friese Orgeln in Mecklenburg. Dieses Instrument ist nicht nur ein bedeutendes Zeugnis musikalischer Tradition, sondern auch ein technisches Denkmal mit bewegter Geschichte und großem Restaurierungsbedarf.

Historische Friese-Orgel von 1846 in Kirch Mummendorf – Klangdenkmal norddeutscher Orgelbaukunst

Herkunft und Bauweise der Orgel

Die Orgel steht auf der Westempore der Kirche und wurde mit einem Manual, einem Pedal und fünf Registern sowie einer Transmission ausgestattet. Die mechanische Schleifladen-Traktur und die zentrale Spieltischposition sind typisch für Friese-Orgeln jener Zeit. Besonders bemerkenswert ist die Verwendung älteren Pfeifenwerks, etwa bei der Mixtur und der Octave 4’, was auf eine kreative Wiederverwendung historischer Materialien hinweist – eine wahre Besonderheit der Friese Orgel in Kirch Mummendorf.

Klangliche Besonderheiten und historische Einflüsse

Die Orgel zeigt Merkmale, die stark an die Bauweise von Friedrich Wilhelm Winzer erinnern – obwohl dieser letztlich nicht mit dem Bau beauftragt wurde. Die Auftraggeber bestanden jedoch auf der Umsetzung seines klanglichen Konzepts, was zu einer ungewöhnlichen stilistischen Anpassung durch Friese führte. So erhielt die Friese Orgel in Kirch Mummendorf eine charakteristische Klangviazanz. Es wird vermutet, dass es zu einer Zusammenarbeit oder Materialübernahme zwischen den Werkstätten kam.

Restaurierungsbedarf und Maßnahmen

Trotz ihrer Spielbarkeit ist die Orgel stark reparaturbedürftig. Die Mechanik verursacht störende Geräusche, die Klaviaturen sind ausgespielt, und die Windladen weisen Undichtigkeiten auf. Besonders an den Keilbälgen der Friese Orgel Kirch Mummendorf ist der Holzwurmbefall ein Problem.

Die geplante Restaurierung folgt denkmalpflegerischen Grundsätzen:

  • Erhalt und Rekonstruktion im Originalstil
  • Verwendung historisch passender Materialien
  • Schutzmaßnahmen gegen Holzwurm
  • Reinigung und Reparatur der Windladen, Trakturen und Pfeifen
  • Intonation und Stimmung nach Abschluss der technischen Arbeiten

Bedeutung für die Region und Musikgeschichte

Die Orgel von Kirch Mummendorf ist ein herausragendes Beispiel für den Orgelbau des 19. Jahrhunderts in Mecklenburg. Ihre weitgehend unveränderte Technik macht sie, besonders die ursprüngliche Friese Orgel Kirch Mummendorf, zu einem wertvollen Forschungsobjekt und einem kulturellen Erbe, das es zu bewahren gilt. Besonders die historischen Register „Octave“ und „Mixtur“ verdienen besondere Aufmerksamkeit.

Baubeschreibung

Standort: Westempore
Erbauer: Friedrich Friese II (Schwerin)
Baujahr: 1846
1 Manual, Pedal, 5 Register + 1 Transmission
Schleifladen für Manual und Pedal
Mechanische Traktur
Tastenumfänge: C-f
3/ C-d1
Gehäuse: 1846
Spieltisch zentral
Drei Keilbälge im Turmbereich hinter der Orgel

Disposition und Nebenzüge

Manual
Bordun 16’ Friese
Principal 8’ Friese, Runge
Gedact 8’ (ursprünglich Hohlflöte 8‘) Friese, Runge
Octave 4’ älter
Mixtur 5fach (nur 3-fach) älter


Pedal, fest angehangen
Subbaß 16’ (Transmission aus Bordun 16’)

Die Orgel der Kirche Kirch Mummendorf – Zustand und Restaurationsbedarf

Die historische Orgel in der Kirche Kirch Mummendorf ist grundsätzlich noch spielbar, jedoch dringend restaurationsbedürftig. Durch jahrzehntelange Nutzung und natürliche Alterung sind erhebliche Schäden entstanden:

  • Mechanik stark abgenutzt: Sie verursacht hörbare, störende Geräusche.
  • Klaviaturen beschädigt: Tasten sind ausgespielt, kippeln oder schlagen gegeneinander.
  • Undichte Windladen: Beide Windladen sind nur durch zahlreiche Auslassbohrungen funktionsfähig.
  • Holzwurmbefall: Besonders an den Keilbälgen ist ein deutlicher Befall sichtbar.

Eine umfassende Orgelrestaurierung ist notwendig, um die Klangqualität und die historische Substanz zu erhalten. Die Evangelisch-Lutherische Jakobus-Kirchengemeinde Roggenstorf und der Förderverein setzen sich aktiv für den Erhalt dieses einzigartigen Instruments der Friese Orgel Kirch Mummendorf ein. Dies gelingt jedoch nur durch Spenden.

Kontakt für Interessierte und Förderer

Ev.-Luth. Jakobus-Kirchengemeinde Roggenstorf

Fritz-Reuter-Str. 17, 23936 Roggenstorf

📞 038824/726

📧 roggenstorf-jakobus@elkm.de

Förderverein: Herr Drews

📞 038824-2973 / 0175 9834503

Die kleine Glocke von 1597

Histohappen #002

Bild der kleinen Glocke von 1597 in der Glockenstube im Glockenbock hängend
Kleine Glocke der Dorfkirche Kirch Mummendorf aus dem Jahr 1597

Die kleine Glocke der Dorfkirche Kirch Mummendorf wurde 1597 durch Claus Bincke in Wismar gegossen.

Die Inschrift der kleinen Glocke

Am Glockensaum und an der Krone der kleinen Glocke der rund 1000 Jahre alten Dorfkirche in Kirch Mummendorf steht geschrieben:

Durch das Feur bin Ich geflossen mith Gottes Hulfe hat mich M Clawes Bincke gegossen.

Gott Vatter Son undt Heiliger Geist uns hir und dort seine Gnade Leist zu Gottes Er undt sonsten nicht ist diese Glocke neu angericht im Jare 1597.

Sie überstand Glockenspenden

Dass unsere Kirche zwei Glocken hat, ist vermutlich Glück, Fügung und Zufall in einem.

Sie hat durch glückliche Umstände zwei Glockenspenden während der beiden Weltkriege überstanden. Ihrer Schwesterglocke ging es nicht so gut wie der kleinen Glocke in unserer Kirche. Sie wurde trotz ihres Alters von übereifrigen Menschen gespendet. Es gab Regeln, nach denen entschieden wurde, welche Glocken erhalten werden sollten und welche für die Kriegsinfrastruktur gespendet wurden. Nach diesen Regeln hätte sie nicht gespendet werden müssen.

Sie wurde kein Kanonenfutter

Glücklicherweise wurde sie auf dem Glockenfriedhof in Hamburg nach Kriegsende wiedergefunden. Da die Glocken eingeschmolzen werden sollten, wurde nicht besonders pfleglich damit umgegangen. Viele der Glocken, die kein Ende im Schmelzofen gefunden haben und nach Kriegsende wiederverwendet wurden, wiesen Schäden auf, so dass sie unbrauchbar waren. Unserer Glocke von 1597 blieb dieses Schicksal erspart.

Eine Glocke von Dreien

Nach Friedrich Schlie – Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. II. Band: Die Amtsgerichtsbezirke Wismar, Grevesmühlen, Rehna, Gadebusch und Schwerin. Schwerin 1898 – war die kleine Glocke von 1597 der Kirche im beschaulichen Kirch Mummendorf an der Stepenitz 1898 eine von insgesamt drei Glocken. Die größte Glocke stammt aus dem Jahr 1730 und ist ein Umguss einer älteren Glocke. Die kleinste Glocke wurde 1425 gegossen und fand wohl ihr Ende als Glockenspende.

Verwendung der Glocke

Die kleine Glocke von 1597 wurde lange Zeit über ein Fußpedal zwei Stockwerke tiefer hinter der Orgel betrieben. 1960 erhielt das Geläut eine elektrische Läutemaschine. Durch einen kleinen Hammer, der mit dem Uhrwerk im Erdgeschoss des Turm über einen simplen Draht verbunden ist, wird zu jeder Viertelstunde und zur vollen Stunden der Stundenschlag auf den Glockensaum ausgeführt.

Die Glocken können bei einer der zahlreichen Führungen besichtigt werden, die der Kirchenförderkreis Kirch Mummendorf im Rahmen seiner vielen Veranstaltungen anbietet.

Von Kirchen und Wasseradern

Am 16.02.2025 veranstaltete der Kirchenförderkreis Kirch Mummendorf einen Nachmittagskaffee unter dem Motto „Ohren suchen Geschichten„. Dabei kamen auch Themen wie Kirchen und Wasseradern zur Sprache.

Wir wollten Geschichten rund um die Kirche St. Johannes in Kirch Mummendorf hören. Interessantes, Wissenswertes, Kurioses oder Nachdenkliches rund um Kirchen und Wasseradern.

Ein Blitz traf unsere Kirche

Bei einer der vielen Turmführungen in der Kirche Kirch Mummendorf zu Veranstaltungen wir KunstOffen oder dem Tag des Offenen Denkmals nahm eine Frau aus dem Dorf teil, die zu erzählen wusste, dass einmal ein Blitz in die Kirche eingeschlagen habe. Eben diese Frau war auch bei unserer Veranstaltung „Ohren suchen Geschichten“ da und erzählte davon. Die Thematik Kirchen und Wasseradern kam auch hier zur Sprache.

Kirchen wurden auf Wasseradern gebaut

Früher dauerte ein Gottesdienst zwei Stunden. Die körperliche Arbeit, der die meisten der anwesenden Kirchengängern nachgingen, machte diese müde, Predigen waren oft leider langweilig. Sie wurden immer wieder wiederholt. Die Wasseradern, auf denen Kirchen gebaut wurden, sollen dabei geholfen haben, die Menschen wach zu halten. Leider ziehen die Kreuzungen solcher Adern jedoch Blitze an. Und so kam es wohl dazu, dass ein Blitz in den Turm einschlug. Glücklicherweise brannte der Dachstuhl jedoch nicht, richtete jedoch Zerstörungen an. So wurde auch damals schon die Leichenhalle in Mitleidenschaft gezogen (Anmerkung des Autors: Mittlerweile driften die Wände des Anbau auseinander, so dass der Eingang über die Tür dort gesperrt werden musste. Notsicherungsmaßnahmen werden zur Zeit geplant.)

Der Topophilia-Effekt

In ihrem Buch „Der Topophilia-Effekt. Wie Orte auf uns wirken“ beschreibt die Historikerin Roberta Rio, dass viele mittelalterliche Kathedralen, darunter der Kölner und Speyrer Dom, auf besonderen Plätzen errichtet wurden. Forschungen haben bei einigen dieser Orte unterirdische Wasseradern nachgewiesen, was die Verbindung der Kirchen zu Wasseradern bestätigt.

„Wer sich mit den Texten alter Baumeister auseinandersetzt, bemerkt, dass diese Orte stets bewusst gewählt wurden. Denn dort glaubte man Kräfte der Natur am Werk, um gewisse Phänomene wie das Streben nach Spiritualität oder das Gefühl von Mystischem zu erzeugen“, sagte Rio einmal im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). (Quelle: katholisch.de)

Wer weiß? Vielleicht ist der Standort unserer Kirche ein solcher „besonderer Platz“. Immerhin thront die Kirche auf einem Hügel über einer Stelle an der 3 Ländereien zusammentrafen: Mecklenburg-Strelitz im Westen, Mecklenburg-Schwerin im Osten und das Wasser der Stepenitz gehörte bis 1907 zu Lübeck, was eine Verbindung zu den Themen Kirchen und Wasseradern nahelegt.

Interessanter Fakt

Wir haben erfahren, dass früher bei einem geplanten Hausbau das Areal eingezäunt, Vieh dort hinein getrieben und beobachtet wurde, wo sich die Tiere niederließen. Dort baute man das Haus. Tiere lassen sich wohl dort nieder, wo keine Wasseradern sind. Also mieden die Tiere Orte, wo eventuell eine Kirche und Wasseradern sind.

Die Kirche St. Johannes in Kirch Mummendorf auf dem Hügel von Südwesten aus fotografiert. Es ist Herbst, die Bäume haben keine Blätter.
Dorfkirche St. Johannes Kirch Mummendorf

Dachstuhl des Chors aus dem Jahr 1622

Histohappen „001

Diese von Zimmerleuten ins Holz gestemmten Schriftzeichen finden sich im Gebälk des alten Dachstuhls der Kirche Kirch Mummendorf über ihrem Chor. Dieser wurde im Jahr 1622 neu errichtet. Der Auftrag kam wahrscheinlich durch Juraten (gewählte/bestellte Kirchengemeindevertreter).

An unzugänglicher Stelle und von Kabeln überdeckt sind sie Zeugen einer dynamischen Zeit. Die Kirche wurde vom Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 verschont. Obwohl der niedersächsisch-dänische Krieg 1625-1629 und später der französisch-schwedische Krieg 1630-1635 vor der Haustür tobten.

Die Inschrift lautet:

1622
Tewes
Olderogge
Clawes Rentzow
Ties Wigges
Ivraten (Juraten = Kirchenälteste)
Haben es bauwen laten dorch
Adam Hôye Scheh

Wer erkennt in seinem Stammbaum diese Namen?

Wir können manche Namen in den Schriftzeichen die von Zimmerleuten (Zimmerer) ins Holz gestemmt wurden, bis nahe an dieses Datum heran recherchieren. Meist muss es sich aber um die Kinder dieser Zimmerer handeln.

„Ivraten“ vermuten wir, heißt Kirchräte. Eine Quelle aus dieser Zeit in Hannover lässt diesen Schluss zu. Es könnte auch Juraten heißen. Juraten waren gewählte/bestellte Kirchengemeindevertreter. Das würde Sinn ergeben.

„Hôve“: Über dem O befindet sich ein Punkt. Vielleicht deutet das auf ein norwegisches ø hin. Da Zimmerleute seit rund 800 Jahren auf die Walz gehen, um sich fachlich fortzubilden, kann es gut sein, dass dieser Tradition folgend ein norwegischer Zimmermann seinen Weg nach Mecklenburg gefunden hat und an der Kirche Kirch Mummendorf gearbeitet und seine Spuren im Chorgestühl hinterlassen hat.

Gestemmter Text in einem Sparren und Sparrenknecht des Chorgestühls im alten Dachstuhls der Kirche Kirch Mummendorf.  Zimmerleute haben diese Schriftzeichen ins Holz gestemmt. Juraten: gewählte/bestellte Kirchengemeindevertreter.
Gestemmter Text in einem Sparren und Sparrenknecht des Chorgestühls im alten Dachstuhls der Kirche Kirch Mummendorf

Eine von vielen Spuren im Alten Dachstuhl der Kirche Kirch Mummendorf. Solche von Zimmerleuten ins Holz gestemmte Schriftzeichen sind wie eine Zeitreise.