Ein Fund erzählt Geschichte
In der Kirche von Kirch Mummendorf wurde ein bemerkenswerter Holzfund gemacht. Ein dendrochronologisches Gutachten – eine Methode, die anhand von Jahresringen das Alter von Holz bestimmt – datiert das Stück auf das Jahr 1026 (Wissenschaftliche Hintergründe zur Jahrringanalyse). Das bedeutet: Der Baum wurde im Winter 1025/26 gefällt und kurz darauf verarbeitet. Also heute (7. Dezember 2025) vor genau 1000 Jahren. Doch warum wählte man damals gerade die kalte Jahreszeit für das Fällen von Bäumen?

Warum Holz im Winter schlagen?
Die Entscheidung, Holz im Winter zu schlagen, war kein Zufall, sondern basierte auf Erfahrung und Wissen über die Eigenschaften des Materials:
1. Geringerer Wassergehalt
Im Winter ruht der Saftstrom im Baum. Das Holz enthält deutlich weniger Wasser als im Frühjahr oder Sommer. Weniger Feuchtigkeit bedeutet:
- Stabilität beim Trocknen: Das Holz verzieht sich weniger und neigt kaum zu Rissen.
- Längere Haltbarkeit: Pilze und Insekten haben weniger Chancen, sich einzunisten.
2. Bessere Resistenz gegen Schädlinge
Trockenes Holz ist weniger anfällig für Schimmel und Fäulnis. Für den Bau von Kirchen und Fachwerkhäusern war das entscheidend, denn diese Gebäude sollten Jahrhunderte überdauern.
3. Leichtere Verarbeitung
Frisch geschlagenes Holz ist „grün“ und lässt sich einfacher sägen, spalten und behauen. Wartete man zu lange, wurde es hart und spröde – eine Herausforderung für die damaligen Werkzeuge.
Direkte Verarbeitung – warum so eilig?
Vor 1000 Jahren gab es keine modernen Trocknungstechniken. Langes Lagern hätte zu Schimmel und Schädlingsbefall geführt. Deshalb wurde das Holz direkt nach dem Fällen grob vorgearbeitet: Balken, Bretter und Pfosten wurden in Form gebracht und anschließend langsam an der Luft getrocknet. So minimierte man Verformungen und Risse.
Mondholz und alte Traditionen
Interessant ist, dass manche Kulturen sogar „Mondholz“ bevorzugten – Holz, das bei abnehmendem Mond im Winter geschlagen wurde. Man glaubte, es sei besonders widerstandsfähig. Moderne Studien zeigen: Der Effekt kommt eher vom niedrigen Saftgehalt als vom Mond, aber die Tradition unterstreicht, wie wichtig die Wahl des richtigen Zeitpunkts war. (Was ist Mondholz und warum ist es besonders?)
Die wichtigsten Werkzeuge des Mittelalters
Als der Baum für die Kirche in Kirch Mummendorf im Winter 1025/26 gefällt wurde, standen den Handwerkern nur einfache, aber effektive Werkzeuge zur Verfügung. Diese Werkzeuge bestanden aus geschmiedetem Eisen und Holzgriffen und waren speziell für das Bearbeiten von frischem Holz entwickelt (Traditionelle Zimmermannskunst im Mittelalter).
1. Zum Fällen des Baumes
- Fällaxt
Die Axt war das zentrale Werkzeug. Mit ihrer geschmiedeten Eisenklinge und einem stabilen Holzstiel wurde der Baum gefällt. Oft war die Schneide asymmetrisch geschliffen, um den Schnitt zu erleichtern. - Beil
Für das Entasten und kleinere Arbeiten nutzte man das Beil – eine handlichere Variante der Axt.
2. Zum Zuschneiden und Formen
- Breitaxt (Zimmermannsaxt)
Mit der Breitaxt wurden Stämme zu Balken behauen. Ihre breite Schneide und einseitige Schärfung ermöglichten glatte Flächen. - Dechsel (Adze)
Ein Werkzeug mit querstehender Schneide, ideal zum Glätten und Aushöhlen von Holzoberflächen. - Spaltkeile und Holzhammer
Zum Spalten von Stämmen in Bohlen oder Bretter – eine Technik, die Sägen oft ersetzte.
3. Für Feinarbeiten
- Ziehmesser
Zum Abziehen und Glätten von Holzoberflächen. - Handbohrer (Windeisen)
Für Löcher bei Zapfenverbindungen. - Hobel und Schabhobel
Für die finale Oberflächenbearbeitung.
Warum diese Werkzeuge so wichtig waren
Im Jahr 1026 gab es keine modernen Maschinen. Alles wurde von Hand bearbeitet. Sägen waren zwar bekannt, aber für große Stämme noch unüblich. Stattdessen spaltete und behaute man das Holz. Die Werkzeuge bestanden aus geschmiedetem Eisen mit Holzgriffen. Schmiede fertigten sie lokal, oft angepasst an die Bedürfnisse der Zimmerleute. Diese Werkzeuge sind die Vorläufer vieler moderner Zimmermannswerkzeuge – ihre Grundform hat sich bis heute kaum verändert.
Was verrät der Fund über Kirch Mummendorf?
Der Holzfund aus der Kirche ist ein faszinierendes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst. Er zeigt:
- Präzises Wissen über Naturmaterialien: Unsere Vorfahren kannten die besten Bedingungen für langlebiges Holz.
- Regionale Baugeschichte: Das Jahr 1026 fällt in eine Zeit, in der viele Kirchen in Norddeutschland entstanden – oft aus Holz, bevor Steinbauten üblich wurden.
- Handwerkliche Meisterleistung: Ohne moderne Technik schufen Zimmerleute Konstruktionen, die über Jahrhunderte Bestand hatten.

Dendrochronologie – ein Blick in die Vergangenheit
Die Datierung des Holzes erfolgte durch Dendrochronologie, eine Methode, die Jahresringe analysiert. Jeder Ring erzählt eine Geschichte: über Klima, Wachstumsbedingungen und das Alter des Baumes. So können Historiker und Archäologen Bauphasen rekonstruieren und die Entwicklung von Siedlungen nachvollziehen.
Fazit
Der Holzfund aus Kirch Mummendorf ist mehr als ein Stück Holz – er ist ein Fenster in die Vergangenheit. Er zeigt, wie klug unsere Vorfahren mit natürlichen Ressourcen umgingen und wie wichtig das Wissen um den richtigen Zeitpunkt war. Das Fällen im Winter und die sofortige Verarbeitung waren keine Zufälle, sondern Teil einer ausgefeilten Strategie für langlebige Bauwerke.
